Vier Ernährungstypen bei Reptilien und ihre Futterbasis
Reptilien lassen sich in vier Ernährungstypen einteilen, die jeweils ein eigenes Futterspektrum brauchen. Wer die Zuordnung kennt, vermeidet die häufigsten Haltungsfehler von der Anfangsphase an.
| Typ | Hauptkost | Tierart-Beispiele |
|---|
| Insektivor | Futterinsekten | Leopardgecko, Pantherchamäleon, Mauereidechse, Stachelschwanzwaran |
| Carnivor | Wirbeltiere oder Fisch | Königspython, Boa, Kornnatter |
| Omnivor | tierische Kost und Pflanzen | Bartagame, Skink, Blauzungenskink, Schmuckschildkröte |
| Herbivor | Wildkräuter und Pflanzen | Landschildkröte, Grüner Leguan |
Bei omnivoren Arten verschiebt sich das Verhältnis im Lebensverlauf. Junge Bartagamen fressen 80 bis 90 % Insekten, während bei erwachsenen Bartagamen Pflanzen mit rund 80 % den Hauptteil bilden. Zu viele Insekten können erwachsene Bartagamen verfetten lassen, bis hin zur Leberverfettung.
Lebendfutter: Futterinsekten im Vergleich
Lebendfutter ist die wichtigste Säule der Insektivor- und Omnivor-Fütterung. Die folgende Tabelle ordnet die acht häufigsten Futtertiere nach Nährwertprofil ein. Durch Gut-Loading (gehaltvolle Aufzucht 24 bis 48 Stunden vor Verfütterung) lassen sich die Vitamine deutlich steigern.
| Futtertier | Protein | Fett | Ca:P | Bemerkung |
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| Heimchen 1 | 19 % | 4 % | 1:4,5 bis 1:9 | Basisfutter, vielseitig |
| Steppengrille 1 | 19 % | 7 % | etwa 1:2 (nur eine Studie) | Etwas fettreicher als Heimchen |
| Grille (Mittelmeer) 1 | 18 % | 6 % | etwa 1:5 | Lautstark, viel Sprung |
| Wüstenheuschrecke 2 | 16,3 bis 24,6 % | 5,2 bis 10,2 % | 1:4 bis 1:12 | Großbeute, gut sichtbar |
| Wanderheuschrecke 2 | 19,2 % | 8,6 % | 1:10 bis 1:15 | Wie Wüstenheuschrecke |
| Argentinische Waldschabe 3 | 21,4 % | 6,1 % | 1:1,3 bis 1:7 | Geruchsarm, klettert nicht |
| Mehlwurm (Larve) 4 | 18,7 % | 13,4 % | 1:14 bis 1:19 | Fettreich, sparsam verfüttern |
| Zophobas (Schwarzkäferlarve) 4 | 19,7 % | 17,7 % | 1:8 bis 1:18 | Sehr fettreich, nur Ergänzung |
Quelle je Zeile. Werte in % des frischen Tieres. Ca:P aus Studien, schwankt mit dem Futter.
1 Bugs International
2 Laboranalysen aus der Zucht (Wanderheuschrecke 25 Tage alt, Wüstenheuschrecke 20, 25 und 35 Tage alt)
3 Atamian 2020 (nur eine Analyse)
4 Finke 2002
Die Tabelle zeigt zwei strukturelle Probleme der Insekten-Fütterung. Erstens: Calcium-Phosphor-Verhältnis ist bei fast allen Futtertieren ungünstig (Phosphor dominiert). Das macht Calcium-Supplementierung über Bestäubung obligatorisch. Zweitens: Mehlwürmer und Zophobas sind so fettreich, dass sie als Hauptfutter zur Verfettung führen.
Carnivor: Mäuse, Ratten, Eintagsküken und Fisch
Schlangen und größere Echsen fressen Wirbeltiere als Hauptkost. Die Beutegröße folgt einer einfachen Regel: Der Bauchumfang der Beute entspricht maximal dem dicksten Punkt der Schlange. Die folgende Übersicht ordnet handelsübliche Frostfutter-Größen den passenden Arten zu.
| Beute | Gewicht | Eignung |
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| Pinkie (Nestmaus) | 1 bis 3 g | Jung-Kornnattern, Jung-Königspython |
| Hopper-Maus | 4 bis 9 g | Halbwüchsige Schlangen, kleine Boas |
| Adulte Maus | 18 bis 30 g | Adulte Kornnattern, mittlere Königspythons |
| Multi (mehrere Mäuse) | 40 bis 70 g | Größere Königspythons |
| Ratte klein (Weaner) | 30 bis 60 g | Königspython adult, kleine Boas |
| Ratte mittel | 100 bis 180 g | Adulte Königspython, Boa constrictor jung |
| Ratte groß | 200 bis 350 g | Große Boas, Pythons |
| Eintagsküken | 35 bis 45 g | Große Schlangen, Warane (sehr selten) |
| Stint (Fisch, gefroren) | 5 bis 20 g | Wasserschildkröten, einige Warane |
Frostfutter wird im Kühlschrank über Nacht aufgetaut, danach in lauwarmem Wasser (35 °C) auf Körpertemperatur gebracht und mit einer Pinzette gereicht. Niemals in der Mikrowelle, niemals heiß. Eintagsküken werden in Deutschland seit 2022 nur noch begrenzt produziert; als Hauptfutter eignen sie sich wegen des hohen Dotter-Fettanteils ohnehin nicht.
Fütterung erwachsener Tiere: Wie oft und mit welchem Futter
Die folgende Tabelle nennt für erwachsene Tiere, wie oft und womit sie gefüttert werden, jeweils mit Quelle in der Zeile.
| Tierart | Frequenz | Futter |
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| Bartagame, adult | Insekten ein- bis zweimal pro Woche, wöchentliche Fastentage empfohlen (Universität Leipzig) | Pflanzliche Nahrung als Hauptteil, dazu mit einem Vitamin- und Mineralpräparat aufgewertete Insekten, Larven nur sehr selten (Universität Leipzig) |
| Leopardgecko, adult | täglich bis auf 1 bis 2 Fastentage pro Woche (Universität Leipzig) | lebende Insekten wie Grillen, Heimchen und Schaben, Larven nur sehr selten (Universität Leipzig) |
| Kornnatter, adult | etwa alle zwei Wochen (Dissertation LMU München) | ganze Futtertiere wie Mäuse oder kleine Ratten in geeigneter Größe (Dissertation LMU München) |
| Königspython, adult | eher alle drei Wochen oder zum Teil in noch größeren Abständen (Dissertation LMU München) | ganze Futtertiere, Beutegröße nach Größe der Schlange (Dissertation LMU München) |
| Pantherchamäleon, adult | restriktiv, mit futterfreien Tagen (DGHT-AG Chamäleons) | Insekten wie Grillen, Heuschrecken, Schaben, Fliegen und Raupen, viel Abwechslung (DGHT-AG Chamäleons) |
| Griechische Landschildkröte, adult | täglich (Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz, TVT) | abwechslungsreich, Löwenzahn allein ist zu einseitig (TVT), Heu kann in beliebiger Menge angeboten werden (Dissertation LMU München) |
Für junge Königspythons bis circa drei Jahre nennt eine tiermedizinische Dissertation der LMU München einen Abstand von etwa 7 bis 10 Tagen zwischen den Fütterungen.
Supplementierung: Calcium, Vitamin D3 und Multivitamin
Drei Mineralstoff- und Vitaminkategorien begleiten die Reptilienfütterung. Calcium gleicht das ungünstige Ca-P-Verhältnis der Futterinsekten aus und wird über Bestäubung oder Gut-Loading zugeführt. Vitamin D3 ermöglicht die Calcium-Resorption und wird über UV-B-Beleuchtung gebildet. Bei reiner Indoor-Haltung ohne UV-B ist orale D3-Gabe notwendig. Multivitamin-Präparate gleichen kleinere Lücken im Spurenelementprofil aus.
Jungtiere und trächtige Weibchen erhalten bei jeder Insektenfütterung Calcium ohne D3 und einmal pro Woche ein Vitamin-Mineral-Präparat (Multivitamin). Erwachsene Tiere erhalten Calcium ohne D3 bei jeder zweiten Fütterung und ein Vitamin-Mineral-Präparat alle 14 Tage. Calcium mit D3 wird nur bei Haltung ohne ausreichende UV-B-Beleuchtung gegeben, zum Beispiel oft beim nachtaktiven Leopardgecko, und ersetzt dann das reine Calcium. Geben Sie nie mehrere Vitaminpräparate gleichzeitig. Die Menge richtet sich nach der Packungsangabe, bei Unsicherheit entscheidet der Tierarzt. Grundlage sind eine tierärztliche Übersicht zur Bartagame (Barboza und Bercier 2024) und Oonincx 2010.
Pflanzenfutter: Wildkräuter, Salate und Trockenmischungen
Bei herbivoren und omnivoren Arten bildet pflanzliches Futter den Hauptanteil. Wildkräuter aus dem Garten, Wildkräutermischungen aus dem Reptilien-Zubehörhandel und ausgewählte Küchensalate wie Endivie, Rucola und Lollo decken den Bedarf. Eine ausführliche Übersicht mit Calcium-Phosphor-Werten und Saisonkalender steht in der Unterkategorie Futterpflanzen.
Wichtig bei der Pflanzenfütterung: Vielfalt schlägt Einzelposten. Wer ausschließlich Löwenzahn füttert, läuft trotz guten Ca-P-Werts in Oxalat-Lasten. Eine Mischung aus 5 bis 8 verschiedenen Wildkräutern pro Mahlzeit deckt das Spektrum sauber ab und entspricht dem natürlichen Beutespektrum am ehesten.
Trockenfutter und Pellets als Ergänzung
Trockenfutter aus Fischmehl, Insektenmehl, getrockneten Wildkräutern oder Pellets ist eine ergänzende Futterquelle. Für Schildkröten gibt es Pellets mit Pflanzenbasis, für Bartagamen Mischungen aus getrockneten Insekten und Kräutern, für Wasserschildkröten Stick-Mischungen aus Fischmehl. Die Hauptlast der Fütterung sollte aber bei Frischfutter (Lebendfutter, Wildkräuter) liegen.
Getrocknete Futterinsekten wie Heimchen oder Grillen lassen sich vor der Verfütterung in lauwarmem Wasser anquellen. Sie sind eine sinnvolle Backup-Lösung für Urlaubsvertretungen oder Lieferengpässe beim Lebendfutter, ersetzen aber im Dauerbetrieb kein lebendes Futtertier mit Beutereiz.
Bodenpolizei: Asseln, Springschwänze und Würmer im Setup
In bioaktiv eingerichteten Terrarien arbeitet eine Mikrofauna aus Asseln, Springschwänzen und gelegentlich Erdwürmern als biologische Reinigung. Sie zersetzen Kot, Hautstücke und überschüssiges Futter und halten das Substrat über Jahre frisch. Diese Tiere sind Nutzfauna, nicht Futter, werden aber gelegentlich von kleinen Arten wie Pfeilgiftfröschen und Phelsuma-Geckos zusätzlich erbeutet.
Springschwänze (Folsomia candida) und Tropische Weiße Asseln (Trichorhina tomentosa) sind die Standardbesetzung. Eine Startpopulation von 100 bis 200 Springschwänzen und 10 bis 20 Asseln pro 20-Liter-Terrarium etabliert sich binnen 4 bis 8 Wochen und arbeitet danach selbsterhaltend.
Frischhaltung und Lagerung von Lebendfutter
Lebendfutter braucht angemessene Zwischenhälterung. Umgesetzt in eine Faunabox mit Futter und Wassergel halten Heimchen bei 18 bis 22 °C erfahrungsgemäß rund 14 Tage. Eierkartons in der Box dienen als Versteck. Grillen halten erfahrungsgemäß ebenfalls rund 14 Tage, je nach Versorgung. Im warmen Wohnzimmer über 26 °C steigt die Sterberate deutlich.
Argentinische Waldschaben halten sich erfahrungsgemäß problemlos 2 Wochen, in einer Faunabox mit Futter. Kühl gelagert bei 8 bis 15 °C halten sich Mehlwürmer über Wochen. Bei Wärme verpuppen sie sich zum Mehlkäfer. Zophobas sind Larven eines tropischen Käfers und sollten deshalb nicht zu kühl lagern. HW Terra empfiehlt für sie Zimmertemperatur von 16 bis 20 °C. Frostfutter gehört ins Tiefkühlfach.
Häufige Fragen zu Reptilienfutter und Lebendfutter
Wie oft sollte ich mein Reptil füttern?
Die Frequenz hängt von Art und Alter ab. Jungtiere brauchen öfter Futter als erwachsene Tiere. Leopardgeckos können laut Universität Leipzig täglich lebende Insekten bekommen, bis auf 1 bis 2 Fastentage pro Woche. Erwachsene Bartagamen bekommen laut Universität Leipzig ein- bis zweimal pro Woche Insekten. Bei erwachsenen Bartagamen bilden Pflanzen den Hauptteil der Nahrung. Eine tiermedizinische Dissertation der LMU München nennt für adulte Kornnattern eine Fütterung etwa alle zwei Wochen und für adulte Königspythons eine Fütterung eher alle drei Wochen oder zum Teil in noch größeren Abständen. Griechische Landschildkröten werden laut Tierärztlicher Vereinigung für Tierschutz (TVT) täglich gefüttert.
Welches Lebendfutter eignet sich für Bartagamen?
Heimchen, Steppengrillen, Wüstenheuschrecken und Argentinische Waldschaben gehören zur Basis. Mehlwürmer und Zophobas sind wegen ihres Fettgehalts nur Ergänzung, nicht Hauptfutter. Mit zunehmendem Alter steigt der Pflanzenanteil auf rund 80 % der Ration.
Wie wird Frostfutter für Schlangen aufgetaut?
Im Kühlschrank über Nacht auftauen, anschließend in lauwarmem Wasser bei circa 35 °C auf Körpertemperatur bringen und mit einer Pinzette anbieten. Mikrowelle und Heizung sind tabu, weil die Beute innen heiß und außen kalt bleibt oder ungleichmäßig gart.
Was bedeutet Gut-Loading bei Futterinsekten?
Gut-Loading meint die Aufzucht der Futtertiere mit nährstoffreicher Kost 24 bis 48 Stunden vor der Verfütterung. Heimchen, die Karotten, Apfel, Getreideflocken und Wildkräuter fressen, transportieren diese Nährstoffe in ihrem Verdauungstrakt zum Reptil. Das hebt das Calcium-Phosphor-Verhältnis und die Vitaminversorgung deutlich.
Wie supplementiere ich Calcium und Vitamin D3 richtig?
Jungtiere und trächtige Weibchen erhalten bei jeder Insektenfütterung Calcium ohne D3 und einmal pro Woche ein Vitamin-Mineral-Präparat. Erwachsene Tiere erhalten Calcium ohne D3 bei jeder zweiten Fütterung und ein Vitamin-Mineral-Präparat alle 14 Tage. Calcium mit D3 geben Sie nur bei Haltung ohne ausreichende UV-B-Beleuchtung, zum Beispiel oft beim nachtaktiven Leopardgecko, anstelle des reinen Calciums. Die Menge richtet sich nach der Packungsangabe.
Wo halte ich Heimchen am besten zwischen den Fütterungen?
Umgesetzt in eine Faunabox mit Futter und Wassergel halten Heimchen bei 18 bis 22 °C erfahrungsgemäß rund 14 Tage. Eierkartons in der Box dienen als Versteck. Höhere Temperaturen verkürzen die Lebensdauer durch erhöhten Stoffwechsel.
Welche Reptilien fressen vegetarisch?
Landschildkröten (Griechische, Maurische, Russische, Pantherschildkröte) und Grüne Leguane sind streng herbivor. Adulte Bartagamen und Blauzungenskinke verschieben sich Richtung Pflanzenkost, bleiben aber omnivor. Einige Schmuckschildkröten, insbesondere erwachsene Tiere, fressen nach Angaben der Reptilienauffangstation München überwiegend pflanzlich.
Wie viele verschiedene Futterinsekten sollte ich verwenden?
Mindestens 3 verschiedene Insektenarten im Wochenrhythmus liefern ein breites Aminosäure- und Mineralprofil. Eine Mischung aus Heimchen, Schaben und Wüstenheuschrecken plus gelegentlichen Mehlwürmern als Leckerbissen deckt das Spektrum für die meisten insektivoren Arten ab.