Die aus Australien stammenden Bartagamen (Pogona vitticeps) sind ideale Einsteigerreptilien. Sie sind robust, in der Regel nicht bissig und werden bei guter Pflege erstaunlich zutraulich. Zahme Tiere lassen sich sogar aus der Hand füttern. Trotzdem machen die meisten Halter beim Futter Fehler. Nicht weil Bartagamen heikel wären, sondern weil zwei Dinge übersehen werden: das altersabhängige Verhältnis von tierischer zu pflanzlicher Kost und die Calcium-Versorgung. Eine falsche Fütterung gehört zu den häufigsten Gründen, warum Bartagamen beim Tierarzt landen.
Inhaltsverzeichnis
- Was fressen Bartagamen? Die Futterliste
- Pflanzliche Kost: Wildkräuter zuerst
- Futterinsekten richtig anbieten
- Alter entscheidet das Futterverhältnis: Jungtier vs. adulte Bartagame
- Calcium, Vitamin D3 und UVB
- Häufige Fragen zur Bartagamen-Ernährung
Was fressen Bartagamen? Die Futterliste
Bartagamen ernähren sich omnivor, also tierisch und pflanzlich. Futterinsekten allein reichen nicht, reine Pflanzenkost ebenso wenig.
| Kategorie | Geeignet (Basis) | Nur sparsam | Ungeeignet / giftig |
|---|---|---|---|
| Wildkräuter & Blüten | Löwenzahn, Giersch, Spitz- und Breitwegerich, Klee, Gänseblümchen, Kapuzinerkresse, Hibiskus, Ringelblume | keine | vom Straßenrand gesammelte, gespritzte Pflanzen |
| Gemüse & Salat | Endivie, Rucola, Romanasalat, Karotte/Karottengrün, Zucchini | Gurke (fast nur Wasser), Brokkoli | Kopf-/Eisbergsalat (nitratreich, nährstoffarm) |
| Obst | keine | Beeren, geriebener Apfel, Mango, Melone (kleine Mengen, 1×/Woche) | Zitrusfrüchte (zu sauer) |
| Sonstiges Grün | keine | keine | Avocado (giftig, strikt meiden), oxalatreiche Blätter wie Spinat, Mangold, Rote-Bete-Blätter, Petersilie (binden Calcium), Rhabarber, Zwiebel/Knoblauch, rohe Bohnen |
| Futterinsekten | Heuschrecken, Grillen, Heimchen, Schaben | Mehlwürmer, Zophobas (fettreich) | wild gefangene Insekten (Pestizide), Glühwürmchen |
Pflanzliche Kost: Wildkräuter zuerst
Supermarkt-Salat und -Gemüse sind für Bartagamen keine ideale Nahrung. Sie sind zu rohfaserarm. Obst ist zusätzlich zu zuckerreich. Die artgerechte Basis sind frische Wildkräuter und Blüten: Löwenzahn (Blätter und Blüten), Giersch, Spitz- und Breitwegerich, Klee, Gänseblümchen, Kapuzinerkresse. Sie liefern Rohfasern für eine gute Verdauung und ein günstiges Calcium-Profil. Getrocknete Kräuter und Blüten sind eine sinnvolle Ergänzung, gerade im Winter.
Gemüse und Salat sind Beiwerk, nicht Grundlage. Endivie, Rucola, Romanasalat, etwas Karotte oder Zucchini sind in Ordnung. Kopf- und Eisbergsalat sollten Sie meiden: wenig Nährwert, hoher Nitratgehalt gerade in den Wintermonaten. Gurke liefert fast nur Wasser. Die LMU-Exotenklinik schreibt: „Oxalsäurehaltige Futtermittel wie Spinat sollten vermieden werden“. Meiden Sie daher Spinat, Mangold, Rote-Bete-Blätter und Petersilie, denn alle vier binden Calcium. Obst ist Snack, kein Bestandteil: ein paar Beeren, geriebener Apfel, etwas Mango oder zerdrückte Banane, höchstens einmal pro Woche, wegen des Fruchtzuckers. Waschen Sie alles Grünfutter und schneiden oder zerdrücken Sie es mundgerecht. Stellen Sie zwei getrennte Schalen auf: eine zum Trinken und Baden, eine für das Grünfutter. Reichen Sie das Grünfutter aus einer flachen Schale oder auf einer Steinplatte. So frisst die Bartagame kein Bodensubstrat mit (Verstopfungsgefahr).
Futterinsekten richtig anbieten
Basis sind Heuschrecken, Grillen, Heimchen und Schaben. Mehlwürmer und Zophobas sind sehr fettreich. Sie sind „Fastfood" und sollten die Ausnahme bleiben, nicht das Standardfutter. Außerdem zählt, womit die Futtertiere selbst ernährt wurden: Gut „geladene", aufgefütterte Insekten transportieren deutlich mehr Nährstoffe in die Bartagame als ausgehungerte Tiere. Für den Transport halten wir die Futterinsekten bewusst trocken, deshalb kommen sie hungrig an. Füttern Sie sie vor dem Verfüttern auf: 24 bis 48 Stunden vorher und zusätzlich etwa 1 Stunde vorher mit frischem Gemüse. Setzen Sie die Insekten zum Auffüttern in eine eigene, gut belüftete Box. In die Transportdose gehören kein Feuchtfutter und kein Wassergel.
Verfüttert wird per Pinzette, aus der Hand oder frei im Terrarium. Wer der Bartagame Bewegung gönnen will, lässt sie die Futtertiere jagen. Das entspricht dem natürlichen Beutetrieb. Nichts ist nerviger als ein zirpendes Heimchen, das ein gutes Versteck gefunden hat. Frei verfüttern Sie deshalb am besten Heuschrecken. Sie verstecken sich kaum und laufen, ähnlich wie Mücken, zum Licht. Die Futtertiere sollten nie größer sein als das Maul der Bartagame.
Alter entscheidet das Futterverhältnis: Jungtier vs. adulte Bartagame
Der häufigste Fütterungsfehler: Eine adulte Bartagame bekommt jahrelang die Jungtier-Ration weiter, also fast täglich Insekten, und landet dann verfettet beim Tierarzt. Junge, wachsende Bartagamen haben einen hohen Eiweißbedarf und fressen überwiegend tierisch: grob 80 bis 90 % Insekten, der Rest pflanzlich. Bieten Sie aber auch Jungtieren täglich etwas Grünfutter an, sonst fällt die spätere Umstellung schwer. Mit zunehmendem Alter dreht sich das Verhältnis um: Adulte Tiere fressen zu rund 80 % pflanzlich, Insekten nur noch als kleineren Anteil.
| Alter | Tierisch : pflanzlich | Insektenfütterung |
|---|---|---|
| Jungtier (Wachstum) | ca. 80–90 % : 10–20 % | täglich, knapp dosiert |
| Subadult | ca. 50 % : 50 % | mehrmals pro Woche |
| Adult | ca. 20 % : 80 % | 1–2×/Woche |
Frisches Grünfutter dürfen adulte Tiere täglich bekommen. Insekten dagegen dosieren Sie streng. Die Universität Leipzig empfiehlt für ausgewachsene Tiere ein- bis zweimal pro Woche Insekten. Jungtiere bekommen häufiger Insekten, aber knapp dosiert. Knappe Mengen beugen Verfettung und „Dampfaufzucht" (zu schnelles Wachstum durch Überfütterung) vor. Eine erwachsene Bartagame dauerhaft mit Insekten vollzustopfen, führt zu Verfettung und Organbelastung. Bei gesunden adulten Tieren sind wöchentliche Fastentage empfehlenswert. Eine Winterruhe machen nur gesunde Tiere durch. Die Universität Leipzig empfiehlt sie jährlich für ein bis zwei Monate bei 12 bis 18 °C. Vorab gehört ein reptilienkundiger Check samt Kotprobe dazu. Davor wird das Futter reduziert, bis der Darm leer ist. Wärme und UVB laufen weiter, ein lauwarmes Bad unterstützt den Kotabsatz. Während der Ruhe wird nicht gefüttert, da unverdaute Nahrung im heruntergefahrenen Darm faulen würde. Frisches Wasser muss durchgehend verfügbar sein.
Calcium, Vitamin D3 und UVB
Beim Calcium scheitert es fast immer an derselben Halblösung: Entweder steht eine UVB-Lampe im Terrarium, aber Calcium wird kaum ergänzt, oder es wird fleißig bestäubt, aber die UVB-Versorgung fehlt oder ist veraltet. Beide Wege enden im Calciummangel. Futterinsekten enthalten viel Phosphor, aber wenig Calcium. Ohne Bestäuben liegt ihr Calcium-Phosphor-Wert oft bei rund 1:10 und zieht das gesamte Futterverhältnis ins Negative. Das Calcium-Phosphor-Verhältnis der gesamten Ration sollte dagegen bei etwa 2 zu 1 liegen (Bereich rund 1,5–2 zu 1). So lautet die tierärztliche Empfehlung. Ohne Ausgleich entsteht über Monate ein Calciummangel, und in der Folge die Metabolische Knochenerkrankung (MBD): weiche Knochen, Höcker am Rücken, „Schnabel"-Bildung am Maul, Lähmungen. Drei Hebel gehören dabei zusammen:
- Calcium frei verfügbar: Eine zerkleinerte Sepiaschale oder ein Mineralstein sollte dauerhaft im Terrarium stehen. So reguliert die Bartagame ihren Bedarf selbst. Eine dauerhafte Überversorgung, vor allem mit Vitamin D3, kann schaden. Die Vet-Literatur (Thieme/Dörnath) beschreibt eine Pseudogicht durch erzwungene Calcium-Überaufnahme.
- Insekten bestäuben, aber differenziert: Jungtiere und trächtige Weibchen erhalten bei jeder Insektenfütterung Calcium ohne D3 und einmal pro Woche ein Vitamin-Mineral-Präparat. Erwachsene Tiere erhalten Calcium ohne D3 bei jeder zweiten Fütterung und ein Vitamin-Mineral-Präparat alle 14 Tage. Calcium mit D3 kommt nur bei Haltung ohne ausreichende UVB-Beleuchtung zum Einsatz und ersetzt dann das reine Calcium. Geben Sie nie mehrere Vitaminpräparate gleichzeitig, die Menge richtet sich nach der Packungsangabe, bei Unsicherheit entscheidet der Tierarzt. Grundlage sind eine tierärztliche Übersicht zur Bartagame (Barboza und Bercier 2024) und Oonincx 2010.
- UVB ist Teil der Ernährung: Calcium kann der Körper nur mit Vitamin D3 verwerten, und D3 bildet die Bartagame über UVB-Strahlung selbst. Eine geeignete UVB-Lampe ist daher kein Zubehör, sondern Voraussetzung. Pulver ohne UVB oder UVB ohne Calciumangebot greifen jeweils zu kurz.

Häufige Fragen zur Bartagamen-Ernährung
Was fressen Bartagamen?
Pflanzliche Kost und Futterinsekten. Jungtiere fressen überwiegend Insekten (80 bis 90 %), adulte Tiere überwiegend Wildkräuter und Grünfutter (rund 80 %).
Was dürfen Bartagamen nicht fressen?
Avocado gilt als giftig (Persin) und ist strikt zu meiden. Ebenfalls ungeeignet sind Rhabarber, Zwiebel, Knoblauch, rohe Bohnen, Zitrusfrüchte und Dosenobst. Meiden Sie Spinat, Mangold, Rote-Bete-Blätter und Petersilie, denn sie binden Calcium. Kopf- und Eisbergsalat sind ebenfalls ungeeignet.
Dürfen Bartagamen Paprika essen?
Ja, Gemüsepaprika ist nicht giftig und in kleinen Mengen eine unbedenkliche Gemüsebeigabe. So führen es auch tierärztliche Futterlisten. Sie ist kein Hauptfutter: am besten Bio (Paprika wird oft stark gespritzt), bei roter Paprika auch der höhere Zuckeranteil. Also kleine Mengen, selten.
Dürfen Bartagamen Erdbeeren essen?
Ja, gelegentlich – etwa ein bis zwei kleine Beeren pro Woche. Sie sind eine gute Vitaminquelle, wegen des Zuckers aber nur ein Snack, nicht täglich.
Dürfen Bartagamen Apfel essen?
Ja, gelegentlich und am besten gerieben – ein bis zwei Teelöffel als Beigabe reichen. Wegen des Fruchtzuckers nicht täglich.
Dürfen Bartagamen Gurke essen?
Ja, Gurke ist ungefährlich, liefert aber fast nur Wasser. Ein, zwei dünne Scheiben gelegentlich sind in Ordnung, als Grundlage taugt sie nicht.
Wie oft sollte man Bartagamen füttern?
Adulte Tiere bekommen täglich frisches Grünfutter und ein- bis zweimal pro Woche Insekten. Jungtiere werden häufiger mit Insekten gefüttert. Insekten generell eher knapp halten. Verfettung ist das größere Risiko als Unterversorgung.
Bei Fragen zur Ernährung Ihrer Bartagamen helfen wir gern weiter. Schreiben Sie uns einfach. Wir wünschen Ihnen viel Freude mit Ihren Tieren.
Weiterführende Fachquellen: LMU Exotenklinik – Pogona vitticeps · Dörnath, kleintier konkret (Thieme): Haltungs- und fütterungsbedingte Erkrankungen der Bartagame · Vet-Zentrum Falkensee – Giftige Stoffe für Bartagamen · Universität Leipzig, Klinik für Vögel und Reptilien: Bartagamen-Flyer